Konzeption der interreligiösen Bildung für Kindertagesstätte, Grundschule und Gemeinde

Kinder erleben die Pluralität von Kulturen und Religionen.

 

In Deutschland hat sich das Bild der religiösen Zugehörigkeit verändert: 1950 waren in der BRD 96% und in der DDR 92% Christen. 1987, zwei Jahre vor der Grenzöffnung, waren in der BRD 85% und in der DDR 40% Christen. 2018 sind in Deutschland 58,8% Christen (28,2% katholische Christen, 26% evangelische Christen, 2,2% freikirchliche und 2,4% orthodoxe Christen) und 6,2% Muslime, 1,6% gehören zu anderen Religionen und 33,3% sind konfessionsfrei; es gibt 0,1% Juden (Quelle REMID 2018).

 

Die Zahlen belegen, dass unsere Gesellschaft bunter und vielfältiger geworden ist. Nicht-christliche Kinder in Kindertagesstätte und Schule sind keine Ausnahmen. In christlichen Kindertagesstätten und im evangelischen und katholischen Religionsunterricht sind oftmals bis zur Hälfte religionsfreie und auch muslimische Kinder. Religiöse und weltanschauliche Pluralität bestimmen den Alltag. Angesichts dieser Veränderungen wird die interreligiöse Bildung immer bedeutsamer und zu einer allgemeinen Aufgabe. Um kulturelle Zusammenhänge oder Konflikte zu verstehen, sind insbesondere Kenntnisse über Judentum, Christentum und Islam wichtig. Angesichts der teilweise bestehenden Vorbehalte gegenüber Religionen und insbesondere gegenüber der jüdischen und muslimischen Mitbürger in Deutschland, ist interreligiöse Bildung zwingend. Gläubige und alle Menschen guten Willens haben die Verantwortung, den Religionsfrieden zu unterstützen, Gemeinsamkeiten zu erklären und Verschiedenheit als normal zu betrachten.

 

Die Bildungsverantwortung ergibt sich aus der religiösen Pluralität und auch aus der Erkenntnis, dass Tabuisierung von Religion Vorurteile verfestigt, Ausgrenzung und Fundamentalismus unterstützt. Wenn ein Kind in Kindertagesstätte und Schule etwas aus der Familientradition erfährt und Neues entdeckt, wird es die eigene Identität erweitern. Es kann Heimat finden und wird damit wert geschätzt und es kann sich für andere Religionen und Weltanschauungen öffnen.

 

In allen Religionen gilt die Goldene Regel (Abraham-Religionen, Hinduismus, Buddhismus): "Behandle den anderen Menschen so, wie du behandelt werden willst!" Wenn in Kindertagesstätte und Schule interreligiöse Kompetenzen erworben werden, ist das eine gezielte Prävention gegen Intoleranz und Fundamentalismus. Im Miteinander in religionssensibler Offenheit kann ein trialogischer Ansatz die Werte Respekt und Toleranz unterstützen, insbesondere mit einer behutsamen Sprache, die auf die Empfindlichkeiten der Gläubigen einer Religion Rücksicht nimmt. In der über 1000jährigen gemeinsamen Geschichte der Abraham-Religionen Judentum, Christentum und Islam zeigen sich wechselseitige Beeinflussung und Abgrenzung, ein aufeinander Zugehen und Gewalt gegeneinander. Eine lernende Gemeinschaft kennt die gemeinsamen Wurzeln und achtet die Unterschiede. Alle Religionen und Weltanschauungen der Kinder gehören in großer Selbstverständlichkeit zur pluralitätsfähigen Kindertagesstätte und Schule. Von allen wird die Einhaltung der Menschenrechte erwartet.

 

Diese Buchreihe eröffnet den Weg, um Kinder interreligiös zu bilden. Praktisch geschieht das mit der Methode "Biblisches Bodenbild interreligiös". Die theoretischen Inhalte der Bücher werden situativ eingebracht.